Störfallratgeber

Verhalten bei Chemie- und Industrieunfällen

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Gefahren die uns umgeben
Wie alle Lebewesen ist auch der Mensch in seiner Existenz einer Vielzahl von Bedrohungen ausgesetzt. Er hat gelernt, mit vielen dieser Bedrohungen zu leben und sich gegen zerstörende Einwirkungen der Natur bestmöglich zu schützen. Die enormen Fortschritte der Medizin und der Wissenschaft haben Gefahren, denen wir noch vor wenigen Generationen hilflos ausgeliefert waren, aus unserem heutigen Leben verbannt. Viele Gefahren gehören daher der Vergangenheit an, andere sind durch die Entwicklung neuer Technologien, wenngleich im Bemühen um eine bessere Lebensqualität, hinzugekommen. Seit in Seveso, Bhopal und Basel Giftstoffe aus Industrieanlagen ausgetreten sind, stehen die Namen dieser Städte als Symbole für das Bedrohungspotential unseres technischen Zeitalters.

Um solchen Gefahren wirkungsvoll begegnen zu können, ist der Zivilschutz heute stärker gefordert denn je. Die besten Hilfsmannschaften und die umfangreichsten behördlichen Vorkehrungen werden aber nicht ausreichen, wenn sie nicht durch sinnvolle Selbstschutzmaßnahmen jedes einzelnen von uns ergänzt werden.
Sollte es aber trotz aller Risikominimierung dennoch zu bedrohlichen Situationen oder Schadstofffreisetzungen kommen, so darf nicht vergessen werden: Es gibt die Möglichkeit sich vor solchen Gefahren weitestgehend zu schützen. Je besser man auf solche Situationen vorbereitet ist, desto effektiver wird man sich auch schützen können.

Großunfälle der Vergangenheit
Die folgenden Beispiele einiger großer Industrieunfälle der letzten 25 Jahre sollen bewusst machen, welche Auswirkungen Unfälle mit gefährlichen Stoffen haben können. In der Datenbank der EU, die derartige Unfälle erfasst, sind seit 1984 etwa 350 Vorfälle registriert. Bekannte Industrieunfälle, wie in Bhopal oder Mexico City sind in dieser Aufzählung nicht enthalten, um deutlich zu machen, dass auch bei der hochentwickelten europäischen und nordamerikanischen Sicherheitstechnik Großunfälle möglich waren und sind.

1974 Flixborough, England
50.000 t Cyclohexan - eine rasch verdampfende, leicht entzündbare Flüssigkeit - entweichen nach einem Rohrleitungsbruch und explodieren. Das 24 ha große Werksgelände wird verwüstet, die Flammen des nachfolgenden Brandes erreichen Höhen bis zu 100 m. 28 Tote und 89 Verletzte sind die Folge. Im Umkreis von 3,5 km werden 90 % der Wohnungen beschädigt. Die unmittelbare Ursache ist der Bruch eines provisorischen Verbindungsrohres, welches ohne vorhergehende Berechnungen als Notbehelfsmaßnahme installiert wurde.

1976 Seveso, Italien
Ein unvorhergesehener Druckanstieg in einem Reaktor zur Produktion von Trichlorphenol, einem Vorprodukt zur Erzeugung von Kunststoffen und Insektenvernichtungsmitteln, führt zu einem Austritt einer Aerosolwolke. Als Sicherheitsmaßnahme ist für einen derartigen Fall eine Berstscheibe installiert, welche allerdings nur die Ableitung des Überdruckes gewährleistet. Da kein Auffangbehälter zur Zurückhaltung der ausgetretenen Substanzen vorgesehen ist, gelangen diese in die Umgebung. In der Aerosolwolke sind Verunreinigungen an 2, 3, 7, 8 - Tetrachlordibenzo-p-Dioxin (TCDD), kurz Dioxin genannt, enthalten. Die Gesamtmenge des ausgetretenen hochgiftigen Dioxins beträgt ca. 600 g. Es ist bis heute unmöglich, die Auswirkungen dieses Unfalles genau abzuschätzen. 736 Personen wurden aus einem 95 ha großen Gebiet evakuiert. Die gesamten Einrichtungen des Betriebes und die oberste Bodenschicht der Umgebung mussten an eine eigens eingerichtete und speziell abgedichtete Deponie verbracht werden.

1986 Basel, Schweiz
In einer Lagerhalle entsteht aufgrund von Brandstiftung oder eines schadhaften Folienschrumpfgerätes ein Brand. In der Halle befinden sich 1.250 t Lagergüter, zum Großteil Pestizide. Als Folge gelangen große Brandgasmengen, bestehend aus teilweise verbrannten und unverbrannten Chemikalien, mehrere hundert Meter in die Luft. Die Bewohner der Umgebung klagen über Geruchsbelästigung, Reizung der Augen und der Atemwege. Das Feuer wird mit erheblichen Wassermengen gelöscht, was allerdings dazu führt, dass das Kanalsystem vollständig überfordert ist. Ca. 10.000 m3 des mit hochtoxischen Stoffen verschmutzten Löschwassers werden in den Rhein geleitet. In den folgenden Tagen wurde sichtbar, dass der größte Teil der Fauna des Flusses zerstört war. 500 km des Rheins waren von dieser Umweltkatastrophe betroffen.

1993 Frankfurt, Deutschland
Bei der Produktion von o-Nitroanisol kommt es zu einer Fehlreaktion. Durch Ausfall eines Rührwerks steigt der Druck im Reaktor so stark an, dass das vorhandene Sicherheitsventil anspricht und ein Teil des Kesselinhalts in die Atmosphäre gelangt. Weite Bereiche der angrenzenden Stadtteile von Frankfurt werden mit einem staubförmigen Niederschlag überzogen, welcher nach ersten Mitteilungen als „mindergiftig“ bezeichnet wird, dann aber mit großem Aufwand von Kinderspielplätzen, Balkonen usw. entfernt wird.

1994 Zürich, Schweiz
Die Entgleisung und anschließende Explosion eines Güterzuges mit 20 benzingefüllten Tankwaggons verwandelt am 8. März 1994 den kleinen Quartierbahnhof von Zürich-Affoltern in ein Flammeninferno und die Umgebung in eine Brandwüste. 320.000 Liter Benzin laufen aus, versickern im Erdreich oder verbrennen. Benzindämpfe breiten sich in der Kanalisation aus. Aufgrund von Explosionen werden Kanaldeckel auch noch in Entfernungen von einigen Kilometern in die Luft geschleudert. Ein mit durchschnittlich 20 Kesselwagen zusammengestellter Zug befördert ca. 1,5 Millionen Liter Benzin.

1996 Weyauwega, USA
Ein Güterzug mit 81 Waggons entgleist während der Durchfahrt durch Weyauwega, Wisconsin, USA. Ursache des Unfalles ist eine defekte Gleisanlage. Der Unfall bedeutet eine unmittelbare Gefahr für die lokale Bevölkerung. Von den 31 entgleisten Waggons geraten sechs Flüssigpropangaswaggons sofort in Brand. Weitere 8 Waggons mit gleichem Inhalt sind umgestürzt. Insgesamt sind diese 14 Waggons mit etwa 750 Tonnen Flüssigpropangas gefüllt. Neben den Gleisanlagen befindet sich eine Käsefabrik, die für ihre Zwecke einen Lagertank mit 7,5 Tonnen Ammoniak gefüllt hatte. Dieser Lagertank ist durch die in der Nähe liegenden, beschädigten und brennenden Waggons extrem gefährdet. Aufgrund der Explosionsgefahr müssen etwa 1.800 Menschen aus der Gefahrenzone (2,5 km Radius) evakuiert werden. Die Sanierungsarbeiten dauern 14 Tage.

1997 Hochstraß, Österreich
Auf der Wiener Außenringautobahn gerät bei Hochstraß ein Tankwagen durch einen technischen Defekt in Brand. Der Tankwagen ist mit 21 Tonnen Isobutyraldehyd - einem hochexplosiven und giftigen Stoff - gefüllt. Insgesamt werden 26 Feuerwehrfahrzeuge und 136 Mann zur Gefahrenbekämpfung eingesetzt. Die Autobahn wird gesperrt und die Bewohner angrenzender Ortschaften aufgerufen, ihre Fenster geschlossen zu halten und die Häuser nicht zu verlassen. Erst 19 Stunden später kann die Autobahn wieder für den Verkehr freigegeben werden. Der Unfall brachte den Verkehr in weiten Teilen Wiens zum Erliegen.

Wie können Sie sich schützen

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  • Sofort geschlossene Gebäude aufsuchen
  • Fenster und Türen schließen
  • Lüftungen, Klimaanlagen abschalten
  • Keller meiden, obere Stockwerke bevorzugen
  • Radio und TV einschalten,Meldungen abhören
  • Auf Lautsprecherdurchsagen achten
  • Nicht rauchen, offenes Feuer löschen
  • Nach Entwarnung Räume lüften